„Voll Integriert“ – Kapitel III

53

© Linus Ma / www.linus-ma.com

Mein erster Schultag begann genauso koordiniert und ordentlich, wie ich es mir bis heute beibehalten habe auch mein Leben zu führen. Nämlich gar nicht!

Ich kam 2 Wochen zu spät aus dem Familienurlaub aus der Türkei und wurde zuerst in das Büro meiner Direktorin gebracht. Nach einer kurzen Einweisung ihrerseits, die ich meinen Eltern natürlich übersetzen musste, durften mich meine Eltern sogar bis zu meinem neuen Klassenzimmer begleiten in dem der Unterricht natürlich schon einige Zeit im Gange war. Ich sollte vielleicht erwähnen, dass die durchschnittliche Anzahl der Immigrantenkinder in der damaligen Zeit sehr überschaubar war und ich somit, neben meinem halb-italienischen Freund Claudio, der einzige Schwarzkopf der Klasse war aber das nur um Rande. Aufgeregt bis in die Spitzen meiner damals noch nicht so grauen Haare, wurde ich nun in die Klasse geführt und meiner neuen Klassenlehrerin Frau Witthelm und meiner neuen Klasse vorgestellt. Ich erinnere mich an einige Gesichter meiner Mitschüler, die sichtlich überrascht über die Tatsache waren, dass da ein eindeutig ausländisches Kind mit, akzentfreiem hessischen Dialekt, sich seinen neuen Mitschülern vorstellte. Ich war clever, laut und lustig und damit war auch schon klar, welche Position ich innerhalb der Klassengemeinschaft inne hatte. Neben der Sportskanone war ich natürlich auch der Klassenclown. Die Menschen akzeptieren einen einfacher, wenn man sie zum lachen bringt.

Ich habe damals Freundschaften für´s Leben gefunden, die auch heute, 35 Jahre danach, immer noch bestehen und wahrscheinlich bis zum Ende unserer Tage bestehen werden. Menschen wie Hubertus, Claudio, Stefan, Markus, Karsten und viele andere haben meine Integration erst möglich gemacht. Sie und ihre Eltern, die mich zum Essen einluden, auf Ausflüge mitnahmen oder zu Wettkämpfen fuhren und somit Gastfreundschaft lebten, machten mich erst von einem Gastarbeiterkind zu einem richtigen Odenwälder. Meine Freunde wie Hakan, Erkan, Ali, Serkan und Irfan halfen mir wiederum niemals zu vergessen wo ich herkam und was uns ausmachte. Die fast wöchentlich stattfindenden Hochzeiten unzähliger Verwandter und Bekannter, ließ uns fast jedes Wochenende durch ganz West-Deutschland pilgern, um dann in ausgelassener Stimmung Braut und Bräutigam zu feiern. Natürlich hatten solche Hochzeiten auch noch einen anderen wichtigen Grund. Die Eltern konnten schon früh einen Überblick über mögliche Kandidatinnen und Kandidaten für ihre eigenen Kinder gewinnen, die in naher Zukunft selbst der Grund einer solchen Hochzeit werden sollten. Im Grunde genommen waren solche Feiern eine riesengroße Single-Party! Nur halt mit Eltern und Verwandten, die deine Zukünftige für dich aussuchen und ohne Anfassen und Küssen so.

Nichtsdestotrotz habe ich türkische Feiern geliebt! Sie sind herzlich, ausschweifend, gastfreundlich, liebevoll und wer schon mal unsere gemeinsamen Tänze gesehen hat, versteht, warum eine deutsche Hochzeit im Gegensatz dazu wie der 80. Geburtstag einer Bibliothekarin wirkt.

Meine erste Klassenlehrerin Frau Witthelm war eine Pädagogin der alten Schule, was soviel bedeutet, dass sie ein Meterlineal besaß und auch nicht scheute dieses gerne ab und an mal zur Züchtigung zu benutzen. Durch einen sanften aber durchaus schmerzvollen Klaps auf die Finger, wurden wir stets daran erinnert, nicht mit unseren Federmäppchen auf den Tischen zu spielen. Für Kinder, die ihre besondere Aufmerksamkeit benötigten, flog auch gerne mal ein Schlüsselbund durch unser Klassenzimmer und fand sein Ziel meist krachend auf einem unserer Tische, wenn einen guten Tag hatte. Wenn nicht, schlug er auch gerne mal auf einem Brustbein oder etwas höher ein! Zielen war zwar nicht ihre Stärke aber ich habe nie wieder so viel in 2 Jahren gelernt, wie ich es bei ihr getan habe. Vielen Dank an dieser Stelle.

Nach zwei Jahren diktatorischer Frau Witthelm, wurden wir die nächsten zwei Jahre im warmen und fürsorglichen Schoss der warmherzigen und leicht Waldorf angehauchten Frau Pfeiffer, weiter in unseren Hauptfächern unterrichtet. Sie war mit ihren wallenden, goldenen Locken mehr Engel als Lehrer. Sie war um die 50 und mit ihrer fülligen Art hatte man ständig das Bedürfnis, sich an sie zu schmiegen und in den Arm genommen zu werden. Nicht unbedingt förderlich für Kinder mit ADS. Die fehlende Strenge, und ich muss das leider hier so erwähnen obwohl ich ein Fan von ihr war, wurde aber pflichtbewusst und mit deutscher Gründlichkeit von Herrn Lindtsted übernommen. Meinem Sport und Musiklehrer! Er merkte schnell, dass ich die überflüssige Energie, die ich ständig versuchte in dummen Kommentaren oder Aktionen in der Klasse abzubauen, anders kanalisiert werden muss. Obwohl ich bis dato nicht schwimmen konnte (Obwohl die Türkei eine Halbinsel ist, können über 80% der Einheimischen nicht schwimmen! Unglaublich oder!?), brachte mir Herr Lindtsted in einem Crashkurs das Schwimmen bei. Vier Wochen später wurde ich im Leistungskader unserer Stadt aufgenommen. Alles richtig gemacht würde ich sagen. Auch ihnen, Herr Lindtsted, ein großes Dankeschön dafür, dass sie an mich geglaubt haben, obwohl ich sie genervt habe. Meine Lieblingserinnerung wird aber immer unser Wanderausflug zum Englischen Garten in Würzberg. Angekommen an einem kleinen See der über und über voll mit Seerosen war, wandte sich unser Lehrer zur Klasse und erklärte: „Dies ist der berühmte Seerosen-Teich aus dem Odenwald und der Legende nach holt der Storch hier die Babys, die er dann glücklichen Eltern bringt. Nur du Senay, du wurdest nicht hier geholt. Ich denke, dich hat der Teufel beim Galopp verloren!“ Hach, die Grundschule war schon toll…

Wir schaffen das! Wir haben das immer schon geschafft!

(c) Linus Ma Photography www.linus-ma.com

(c) Linus Ma Photography
http://www.linus-ma.com

Nach all den Tagen des Leides und der Wut, bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich mich von meiner Wut und den zermürbenden Diskussionen mit minderbemittelten Hass-Bloggern trennen muss, es Zeit wird, wieder mal etwas Positives zu schreiben. Ich bin es leid und kann dieses ständige herbeireden von unüberwindbare Krisen nicht mehr hören. Ständig erzählen mir Politiker, dass ich Angst haben muss. Früher kamen die Ausländer um uns die Frauen und Jobs zu nehmen, heute kommen sie, um uns das Leben zu nehmen. Viele Jahre haben wir darauf hin gearbeitet, unsere Grenzen zu öffnen, um Wirtschaft und Tourismus zu fördern und haben die Welt zu uns eingeladen und Heute können wir die Grenzen gar nicht schnell genug wieder hochziehen. Die Welt zu Gast bei Freunden hieß noch so schön zur WM. Wen wir aber zu uns einladen, entscheiden wir dann doch lieber selbst und mit so viel ungebetenem Besuch außerhalb Europas hätte ja auch keiner rechnen können…

Die einen sagen mir, ich solle Angst vor der Islamisierung Deutschlands haben und den Gutmenschen die unser Land am liebsten am Stück an die Flüchtlinge verschenken würden und die anderen warnen mich vor einem neu entflammten Nationalsozialismus getarnt als Besorgte-Bürger-Bewegung die sich als Igida-Schlange sich durch unsere Straßen schlängelt. Ist euch bewusst, dass wir seit Jahrzehnten gemeinsam hier leben und keine Probleme dieses Ausmaßes miteinander hatten. Auch in Dresden hat man sein Gemüse beim Türken nebenan gekauft und hatte keine Angst, Mustafa könnte ein Schläfer sein. Nun haben wir vergessen, was wir in diesem Land alle gemeinsam hatten und haben. Wir alle hatten uns auf eines geeinigt. Deutsche, Türken, Griechen, Italiener und alle anderen Menschen die hier in Deutschland lebten, hatten sich darauf geeinigt das auch im Rahmen unsere Gesetze und Regeln zu tun. Unser Grundgesetz das auf den Trümmern des 2.Weltkriegs verfasst wurde, galt für alle Menschen, die hier friedlich miteinander leben wollten und das egal welcher Herkunft oder Religion sie angehören. Für alle war Platz und ist es heute noch. Nun sagt man uns, wir wären Feinde und müssten uns hassen. Man sagt uns, wir sollen Angst voreinander haben und das wir das nicht schaffen. Aber all das sind schlicht und ergreifend nur Lügen. Natürlich schaffen wir das! Wir haben das immer schon geschafft!

1983, Anschlag auf US-Stützpunkt in Beirut. 299 Menschen sterben nach einer anonymen Bombe. Keine Bekenner.

1985, Air-India Flug 182. 329 Menschen finden den Tod durch eine Bombe von Babbar Khalsa, einer Militanten Sikh-Organisation aus Indien.

1999, Separatisten zünden mehrere Bomben in Wohnhäusern. Über 300 Menschen starben bei diesem feigen Anschlag in Russland.

2001, 9/11. Über 3000 Tote.

2004 erschütterten uns die Bilder aus Beslan. Die ganze Welt fiebert um die Befreiung der Schüler, die bei einer Geiselnahme der Separatisten ins Kreuzfeuer gerieten. Beslan wurde zum Grab von über 300 Menschen. Die meisten Opfer waren Schüler.

2007, Sprengstoffattentat in Sindschar in einem Kino. 796 Menschen verlieren an dem Tag im Irak ihr Leben.

7. Januar diesen Jahres, Charlie Hebdo, Frankreich. 12 Tote.

10. Oktober diesen Jahres. Eine Bombe explodiert während einer Demonstration in Ankara. 102 Menschen sterben.

Freitag der 13. November diesen Jahres. Paris. 132 Tote.

Diese Liste ist eine Liste des Grauens die zeigt, wozu Fanatiker fähig sind und es keine Rolle spielt in welchem Teil der Welt wir uns befinden. Terroristen sind Terroristen und ihre Herkunft spielt dabei keine Rolle! Die Liste zeigt aber noch was! Unsere Geschichte ist voll von Menschen, die unser Zusammenleben mit Gewalt und Chaos zerstören wollten und wir haben es immer wieder geschafft! Immer wieder sind die Menschen gemeinsam auf die Straßen gegangen und haben gegen Unrecht protestiert. Wir haben Regierungen gestürzt, wir haben in der ganze Welt geholfen, wir haben gespendet, ehrenamtlich gearbeitet und uns gegenseitig Mut gemacht. Wir haben gemeinsam um unsere Toten getrauert und sie gemeinsam beerdigt und nun wird es Zeit die Schuldigen gemeinsam zur Rechenschaft zu ziehen. Ich verstehe jeden, der in diesen Tagen eine unverzeihlichen Hass auf diese Menschen verspürt, die unsere Welt lediglich nur brennen sehen wollen aber wir sollten besonnen diese Feiglinge suchen und ihrer „gerechten“ Strafe zuführen, anstatt sinnlos unschuldige Menschen an Bäumen baumeln sehen zu wollen.

Es sind ein paar wenige, die diese Welt mit Terror überziehen, im Gegensatz zu den Menschen, die gemeinsam in Frieden leben möchten. Sie sind vielleicht im Moment lauter als wir aber Gnade ihnen Gott, wenn wir aus unserer Schockstarre erwachen und als eine gemeinsame Welt, lauthals aus einer Stimme schreien,

„ES REICHT!“

Es wäre ein Schrei, den diese Welt nicht mehr überhören könnte. Ein Zeichen, dass wir eins sind und auch diese Tragödie gemeinsam durchstehen werden.

Und als letzte Bitte an euch hätte ich noch folgendes. Bitte lasst euch von Politikern und Medien nicht einreden, wir würden das nicht schaffen, denn es wären zu viele Flüchtlinge, zu viele Nazis, zu viele Terroristen, zu viel Pegida, zu viel Hetze, zu viele Gutmenschen oder zu viel IS. Das einzige was wir definitiv im Übermaß haben, sind Politiker, die uns erzählen wollen, wir schaffen dass nicht, wenn wir sie nicht wählen…

Wir schaffen das. Wir haben das schon immer geschafft!

In diesem Sinne,

Peace!

Euer Senay

„Voll Integriert“ – Kapitel 2

Eine ganz normale berliner Familie!

Eine ganz normale berliner Familie!

Meine Mutter wurde mit 16 an meinen Vater verheiratet und teilt seit je her das Leben mit ihm. Sie war ein Einzelkind und somit der Stolz und Liebling ihres Vater, der leider zu früh verstarb. Als sie nach Deutschland kam um meinen Vater hier zu unterstützen, war dass für sie ein Neuanfang und niemals sprach sie davon, dass wir irgendwann wieder in die „Heimat“ zurück fahren würden und nicht wie mein Vater, der am liebsten gleich lostingeln wollte und eigentlich täglich den Ford Transit schon am beladen war. Ich denke, hätte er einen Führerschein gehabt, wäre wir bestimmt eines Morgens aufgewacht und mein Vater hätte in einer Nacht und Nebel-Aktion beschlossen, dass er die Schnauze voll habe und wir zurück in die Heimat ziehen. Also habe ich es im Grunde genommen dem Analphabetismus (wenn man das Wort langsam liest, klingt es irgendwie nach Arsch…) meines Vaters zu verdanken, dass ich ein richtiger Odenwälder Bub geworden bin und nicht Ali aus Izmir!

Ich hatte eine verdammt glückliche Kindheit und bei all dem Luxus den die Kinder heute im Überfluss haben, hatte ich was, was sie nicht haben! Freiheit!

Schon in frühester Kindheit konnte ich die Wohnung mit einem lapidarem „Ich geh raus spielen“ verlassen und kam erst um Abendbrot wieder Heim. Manchmal natürlich auch für einen Boxenstop mal zwischendurch aber ansonsten verbrachte ich die meiste Zeit zwischen 5 und 16 im Freien beim Spielen. Die Möglichkeiten waren schier unbegrenzt! Straßenfußball, Spielplatz-Tennis, Survival-Training im naheliegenden Wald, der Bau eines Staudamms am angrenzenden Bach, die tägliche Rettung der Welt als Batman oder einfach nur die Jagd nach einer Monster-Maus im Schuppen meines besten Freundes, die am Ende ein abgefackeltes Gartenhäuschen und den Einsatz der hiesigen Feuerwehr nach sich zog. Es gab immer was zu tun!

Ich merkte früh, dass ich mit den anderen Einwanderer-Kindern nur selten und wenig gemeinsam hatte. Es war nicht so das wir uns nicht verstanden haben, aber grundsätzlich waren unsere Interesse eher Gegensätzlich. Meiner Mutter war es sehr wichtig, dass wir als Familie in unserer neuen Heimat nicht auffallen. Sei es als Ausländer durch unsere Kleidung und unser Äußeres oder sei es durch unser Verhalten in der Öffentlichkeit. Stets war sie bedacht darauf, dass wir uns den Gepflogenheiten unserer süd-hessischen Gastgeber zumindest annähern ohne unsere Herkunft zu verleugnen. Ich erinnere mich an eine Gesichte die sie mir immer wieder erzählt hatte und diese würde die pragmatischen Gedankengänge meiner Mutter besser beschreiben als ich es wohl je könnte. In den ersten Monaten nach meiner Geburt, begann sie eine neue Stellung bei einem der besseren Hotels unserer „Stadt“ (verzeiht mir aber ich muss immer noch kichern wenn ich Michelstadt als Stadt bezeichne). Ich weiß nicht ob ich erwähnen sollte, dass sie natürlich das klassische Klischee des typischen Gastarbeiters erfüllte und zu den Reinigungsfachkräften gehörte.

Wie toll sich das heute anhört!? Damals sagte man schlicht Putzfrau.

Thema war nun das tägliche Mittagessen. Natürlich wurde das Essen vom Hotel gestellt aber in den späten 70ern war den lieben Menschen im Odenwald noch nicht so bewusst, dass Menschen aus anderen Kulturkreisen auch ein anderes Essverhalten nach sich ziehen. Da es ab und an natürlich auch mal passieren konnte, das Schweinefleisch auf der Tageskarte stand, gab es nun natürlich eine Glaubenskrise, zwischen den „hardlinern“ und den „gemäßigten“ Moslems, wobei die Gruppe der Gemäßigten meist nur aus meiner Mutter zu bestehen schien. Für sie hatte ihr Glaube, und sie ist eine sehr gläubige Frau, nichts damit zu tun, was ein Mensch ist oder in welchem Gotteshaus er betet. Für meine Mutter musste ein Mensch gläubig leben und nicht von Glaube reden.

Sie brachte mir bei das Religion etwas Privates ist und man sich alleine mit seinem eigenen Glauben beschäftigen sollte. Leider Gottes beschäftigen sich die Menschen aber lieber mit dem Glauben andere und der Begründung warum sie das Fegefeuer verdient hätten. Trotz der abwertenden Blicke ihrer moslemischen Freunde beschloss meine Muter damals Schweinefleisch zu essen. Sie konnte einfach damals schon nicht glauben, dass eine ganze Stadt wegen Leberkäse verdammt sein könnte.

Meine Mutter glaubte immer schon mehr an Gott als an die Menschen.

Dank ihr hatte ich damals schon die Freiheit und liebe es heute noch über ein Volksfest zu laufen und genüsslich in eine Bratwurst zu beißen, ohne dafür in der Hölle zu landen. Meine Kinder sehen das heute genauso wie ich.

Mal abgesehen von unseren Geschmäckern, gab es auch noch weitere und weit mehr gravierende Unterschiede zwischen den anderen türkischen Jungs und mir, wobei sich das mit dem Geschmack auch auf die Kleidung bezog! Aber zu meinem Kleidungsstiel in den 80ern komme ich später. Nur so viel… Man merkte früh, ich war sehr eigen! Oder welches Kind trug sonst noch im zarten Alter von fünf Jahren Cowboystiefel im Kindergarten. In weiß!!!

Der wohl entscheidende Unterschied zwischen mir und den anderen „Kanaken“ (nehmt mir das Wort nicht übel aber so haben wir uns damals auch selbst genannt! Wir durften das ja auch also probiert das bitte nicht auf der Strasse!!!) war meine Neugier! Während die anderen türkischen Familien in ihren eigenen Kreisen blieben und ihre Kinder somit auch nur mit türkischen Kindern spielen konnte, durfte ich meine Freunde frei wählen. Ich ging mit Markus zum Fußballtraining und wurde Torwart beim VFL-Michelstadt. Carsten nahm mich mit zum Spielmannszug und ehe ich es mir versah, spielte ich in Uniform Querflöte beim Rosenmontags-Umzug. Jürgen habe ich es zu verdanken, dass ich 4 Jahre lange, stolzes Mitglied der freiwilligen Feuerwehr unserer Stadt war.

Meine türkischen Aktivitäten bestanden im Gegensatz dazu, im wesentlichen nur von den regelmäßigen türkischen Hochzeiten, die gefühlt jede Woche statt fanden und den Überraschungsbesuchen unserer Freunde und Verwandten.

Im Groben und Ganzen kann man meine Erziehung wie folgt beschreiben: Er lebte deutsch und wurde türkisch erzogen!

„Voll Integriert!“ – Kapitel I

"Der Alptraum Adolf´s!"

„Der Albtraum Adolf´s!“

Ich fange mal ganz einfach mit meiner ersten Erinnerung an, die mich geprägt hat und die relativ weit in meiner Kindheit zurück liegt aber zuerst möchte ich Sie alle bitten nachsichtig zu sein mit der chronologischen Reihenfolge der Geschehnisse da ich im allgemeinen ein sehr konfuser Mensch bin und ab und an mal nicht genau weiß, wann wirklich jetzt welches Ereignis war. Nun denn, es war ein warmer Sommertag und alle Kinder tummelten sich draußen auf unserem kindergarteneigenen Spielplatz. Ja, damals nannte man das noch Kindergarten und nicht wie heute die hippen Mitte-Eltern das Kita nennen, darauf besteh ich! Einer meiner Schnürsenkel hatte sich gelöst und vertrauensvoll wandte ich mich an meine „Kindergärtnerin“ Frau Wilhelm, die für die Belange meiner Elefantengruppe zuständig war. Wie immer beugte sie sich weit nach vorne und ging nicht wirklich in die Knie. In ihrem alter war das aber auch nicht unbedingt eine leichte Übung und BHs tragen anscheinend auch nicht!

Somit war die erste Brust die ich jemals gesehen habe, mal abgesehen die von meiner Mutter aber das spielt hier keine Rolle und die Brüste meiner Mutter haben sie sowieso nicht zu interessieren, verstanden!!!!? Ich schweife ab, Verzeihung!

Zurück zum Thema also. Die ersten Brüste die ich jemals gesehen habe und die ich in den Sommermonaten drei Jahre lang wieder und wieder sehen musste, wollte ich akkurat gebundene Schnürsenkel haben, die meiner 53 jährigen Betreuerin Frau Wilhelm waren! Hat mich das geprägt?? Sagen sie es mir am Ende meiner Geschichte!

Geboren bin ich in einer kleinen Stadt im Odenwald. Wie der Name schon sagt, ist der gesamte Kreis von einem Wald umringt. Da es keine wirklichen Autobahnanbindungen im Umkreis von 50 – 100 Kilometern gab, lagen wir damit auch ziemlich ruhig und abgeschieden von der modernisierten Außenwelt. Eine kleine vertrauensvolle, südhessische Stadt mit florierender Agrarpolitik und einem funktionierenden Rechtssystem. Mit anderen Worten viele Kühe, jeder kennt jeden und es ist todlangweilig! Natürlich ist es ein wunderschönes Fleckchen Erde und ich hätte mir gewünscht ich hätte das als Teenager auch so gesehen aber ich fand es damals einfach nur Kacke! Sorry, aber das umschreibt es am besten…

Meine Eltern sind Gastarbeiter der ersten Generation und ich das erste in Deutschland geborene Kind von ihnen. Zu der Zeit besaß ich bereits drei weitere Geschwister in der Türkei die dort geboren und aufgewachsen waren. Ich denke, ich war so was wie der letzte Versuch…

Die erste Wohnung meiner Eltern lag direkt neben dem Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr Michelstadt, dessen damaliger Hauptbrandführer Herr xxx, auch gleichzeitig ein sehr hilfsbereiter und anständiger aber uriger Zeitgenosse war. Nicht nur er, sondern seine ganze Familie, Frau, Tochter, Sohn, alles, großartige Menschen. Gleich hier mal ein kleines Dankeschön. Für alles! Sie hatten es sich damals zur Aufgabe gemacht, meinem Vater und meiner Mutter das Leben in einer deutschen Dorfgemeinschaft so fern ab der eigenen Heimat ein wenig einfacher und vor allen Dingen verständlicher zu gestalten. Ich gehe mal davon aus, dass die Bürokratie und der damit einhergehende Wahnsinn in jedem Land der gleiche ist aber, wenn sie weder die Sprache noch die Menschen kennen, setzt das den Schwierigkeitsgrad in eine immense Höhe. Man bedenke den Bildungsgrad einer 18jährigen Türkin, aus einem 200 Mann Dorf im Uralgebirge und das Mitte der 70er. Fernsehen, Internet oder frische Croissants am Morgen??? Fehlanzeige!

Mein Vater ist ein, lassen sie mich das in einem Wort sagen, dass auf der Strasse alles erklären würde, ein stabiler Mann! Als einer von 8 Kindern war er früh gezwungen Geld als Schaafhirte zu verdienen um somit die Familie zu unterstützen, somit war Schule keine wirkliche Option für ihn und lesen, schreiben und rechnen ein Luxus den er sich nicht leisten konnte. Er ging mit 18 als Gastarbeiter nach Europa, wo er nach kürzeren Zwischenstops in Belgien und der Schweiz schließlich in einem kleinen gallischen Dorf, welches noch immer tapfer den Römern Widerstand leistete… Moment, halt, sorry!!! Falsches Dorf! Obwohl… Da wären schon eine Menge Gemeinsamkeiten zwischen Michelstadt und dem „Kleinen gallischen Dorf“ ohne Namen. Selbst der Limes verlief bei uns und somit haben die Römer uns schon gefürchtet und laut Lexikon sind wir ein kriegerisches Waldvolk aber, ich schweife schon wieder ab.

Da ich mich ja bereits am Anfang entschuldigt hatte, erspare ich mir, dass nun ab jetzt und werde es auch nicht wirklich ständig erwähnen. Verdammt, Ich sollte tatsächlich nur noch nüchtern schreiben…. Und vielleicht sollte ich auch nicht alles schreiben, was ich denke!! Egal… So, und nun zurück zum Thema.

Mein Vater kam also Mitte der 70ger Jahre in ein kleines Dorf und begann seine Karriere bei der Poldress GmbH, einer damals mittelgroßen Kunststofffirma die später von der BP-Chemicals übernommen wurde, und arbeitete die nächsten 42 Jahre in ein und dem gleichen Beruf ohne auch nur einen einzigen Tag gefehlt zu haben. 42 Jahre lang drei Schichten ohne auch nur den Hauch einer Abwechslung!!? Das änderte sich natürlich schlagartig als er später wegen Kehlkopfkrebs, es stellte sich heraus, dass die Arbeit mit Kunststoff und Chemikalien eventuell ein möglicher Grund dafür sein könnte, plötzlich von heute auf morgen in Rente gehen musste. Die ersten Monate hat mein Vater uns Wahnsinnig gemacht!!! Ich meine, können sich vorstellen wie ein Körper nach so einer langen Zeit reagiert, wenn man ihm seinen natürlich Rhythmus nimmt. Alle zwei Wochen, pünktlich zu seinen Schichten, wachte mein Vater eine Woche lang jeden morgen um 4 Uhr auf und begann mit Frühstück und Fernsehen. 6 Menschen in einer Drei-Zimmerwohnung, nur um ihnen das mal bildlich zu verdeutlichen! Plötzlich wollte er sich jeden Tag unterhalten oder tauchte unerwartet auf weil er mal nach dem Rechten sehen wollte. Wenn Teenager gemeinsam abhängen, wollen sie nicht das Erwachsenen nach dem rechten sehen. Besondern kein türkischen Väter! Es war schon merkwürdig, einen so stolzen und eigentlich auch machohaften Menschen so verloren und um Aufmerksamkeit flehend zu sehen. Ich habe den größtmöglichen Respekt vor meinem Vater und allem was er erreicht und für uns getan hat und die einzigen Qualifikationen die er dafür zur Verfügung hatte, waren die das er seine Unterschrift schreiben konnte und das er die ihm zugetragene Arbeit immer zu 100% verrichtete. Er ist ein Mann wie ein Baum! Noch heute mit fast 80 dreht er täglich seine zwei Runden in der Stadt begrüßt alle persönlich mit Handschlag und Küsschen. Man nennt ihn auch den heimlichen Bürgermeister und er ist so was, wie das Maskottchen der Stadt. Gleich nach der Biene aber auch das ist ne andere Geschichte. Von meiner Mutter möchte ich gar nicht so viel erzählen…

Sie ist für mich eine heilige und ich habe noch nie im Leben jemanden getroffen, der gerechter, liebevoller, loyaler, herzlicher, respektvoller, stolzer, ehrenhafter, aufopferungsvoller, bescheidener oder weiser war, als meine Mutter und bin froh viele ihrer Eigenschaften geerbt zu haben. Ich sage das nur, weil sie immer wieder Teil meiner Geschichten sein wird und dadurch vieles über sie zu erfahren sein ist. Ganz im Gegensatz zu meinem Vater. Wie sie schon bemerken können, bin ich ein Muttersöhnchen aber ich kann ganz gut damit leben.

Fok Julle Naaiers!!! (F***t Euch Alle)

Picture © Linus Ma / www.linus-ma.com

Picture © Linus Ma / http://www.linus-ma.com

Es ist mal wieder soweit… Seit Tagen hänge ich nun krank in der Wohnung und scheue Menschen sowie auch Tageslicht und meine einzige Freizeitbeschäftigung, neben der Arbeit die ich auch aus dem Bett heraus machen kann, besteht darin stundenlang durch die unendlichen Neuigkeiten im World Wide Web zu surfen. Ist euch eigentlich bewusst dass wir alle wahnsinnig sind??? Wenn das Web tatsächlich ein Querschnitt unserer Zivilisation ist, dann ist sie genauso faszinierend wie auch verstörend oder beängstigend! Wie dem auch sei aber das Wort „Normal“ hat in unserer Zeit in der wir leben keine Bedeutung mehr. Ich versuche stets doch das Gute in uns zu sehen und die Hoffnung, dass wir irgendwann doch noch die Kurve bekommen aber es wird von Tag zu Tag schwerer, diese Hoffnung auch mit genügend Nahrung zu versorgen. Oh mein Gott, ich werde schon wieder so nachdenklich und sentimental… Das war am Anfang meines Blogs gar nicht so geplant. Eigentlich sollte dies ein offener Hassbrief an alle werden, die mir und meinem friedlichen Weltbild im Wege stehen. Seit langem habe ich mal wieder das Bedürfnis einfach nur mal wieder Klartext zu reden und bestimmten Menschen und Gruppen die Meinung zu geigen. Auf meiner Pinnwand halte ich mich meist zurück und versuche den friedlichen Weg der Diplomatie zu gehen aber sein wir mal ehrlich… Manche verstehen eine saftige, durchgezogene Rückhand einfach besser als alle lieblichen Worte dieser Erde. Deshalb muss ich meinem Ärger heute kurz Luft machen und teile euch nun meine persönlichen Favoriten in der Kategorie „Die Welt braucht euch nicht“!

Nr.1)

Ihr Lieben Menschen von der IS. Sagt mal habt ihr Eself*** eigentlich ne Ahnung was ihr, mal abgesehen von den Menschen die ihr tötet, foltert, vergewaltigt und abschlachtet, dem Islam angetan habt??? Wie kommt so ein Haufen von Versagern, die es in ihrem normalen Leben nie zu Anerkennung gebracht hätten auf die Idee, sie wären der verlängerte Arm Gottes??? Wir reden hier von Irgendwelchen Hauptschulabrechern aus Europa die auf einmal zum Islam gefunden haben und sich von gewalttätigen, fundamentalistischen Ziegenhirten zu Galionsfiguren des Dschihad machen lassen und den Mist auch noch auf unseren Strassen als Erleuchtung verkaufen. Ihr seid der angetrocknete DNS-Abschaum am Boden unseres galaktischen Aschenbechers und jedem anderen auf dieser Welt wäre geholfen, wenn ihr euer Selbstmordattentate erst mal alleine zu Hause übt!

Nr.2)

Platz zwei gehört uneingeschränkt unseren Vertretern der öffentliche Presse die jedes auch noch so unnötige und überflüssige Thema nehmen und die sowieso schon vorhandenen Existenzängste ihrer Bürger auch noch jeden Tag aufs neue schüren, um somit ihre korrupten Politikerfreunde zu unterstützen und mit Hilfe von Panikmache auch noch ihre Umsatzzahlen zu erhöhen. Könnt ihr verlogenen Marktschreier euch überhaupt noch an euren ersten neutralen und fundierten Text erinnern ihr überbezahlten Märchenonkel??? Ich bin mir sicher, ihr habt seit eurem Pädagogikstudium nichts ehrliches mehr geschrieben. Ich wünschte mir, man würde euch zwingen jeden einzelnen unwahren Artikel zu essen damit ihr jeden Morgen beim Stuhlgang an den Scheiss erinnert werdet, den ihr den Menschen jeden Tag zum schlucken hinrotzt!

Nr.3)

Meine kleinen, kahlrasierten und minderbemittelten braunen Freunde. Wie könnte ich euch in einem Blog wie diesem vergessen. Ihr, die ihr seit je her eigentlich die geistigen Führer jeglicher Form von koordiniertem Genozid seid und nach all den missglückten Versuchen eure arischen Weisheiten in die Welt zu tragen, versucht sie immer noch, emsig wie kleine dumme Bienen, darauf zu hoffe, dass sie mit ihren „Ausländer raus Sprüchen“ irgendwann mal verdient auf der obersten Sprosse der Evolutionsstufe stehen dürfen. OK Jungs, ihr müsst jetzt ganz tapfer sein. Ihr Idioten werdet ewig nur das Kanonenfutter irgendwelcher machtgeilen Ostpolitiker bleiben und niemals irgendeine besondere Rolle in unserer Geschichte spielen! Ihr seid einfach nicht intelligent genug um auch nur ansatzweise zu erfassen was in der Welt passiert! Also bleibt bitte an eurem Stammtischen und blast euch das kleine bisschen Hirn aus der Birne, was ihr anscheinend eh nur besitzt, um nicht ins Bett zu pinkeln!

Nr.4)

…gehört eigentlich der gesamten Politik und ist somit ein Preis für das Lebenswerk! Ihr habt es geschafft eine Sache die im Kern so gut war mit eurer Gier und eurem Streben nach Macht so zu korrumpieren, dass alleine das Wort Politik niemals wieder einen positiven Klang haben wird. Die fettgefressenen Wohlstandmenschen, die uns ständig irgendwas von Verzicht erzählen und jeden neuen Gesetzesentwurf an eine Diätenerhöhung koppeln, sind für mich die einzigen deutschen in einer Berufsgruppe, die so überflüssig sind, wie Warzen an einem Hodensack!  Keiner dieser legalisierten Bundes-Kriminellen hat in den letzten 10 Jahren auch nur eine Entscheidung in meinem Interesse getroffen. Sucht euch einen anständigen Job im Pflegesegment und tut während eurer letzten Jahren noch was Gutes für eure Bevölkerung ihr Wi***!!!!

Nr.5)

Abschliessen möchte ich mit meiner persönlichen Nummer 5. Den Facebook-Hatern! Ihr beschissenen Intelligenzallergiker habt doch tatsächlich nichts anderes zu tun, als Tage um Tage damit zu verbringen, mit gefakten Profilen Menschen zu stalken und zu beleidigen. Habt ihr zuwenig Liebe von euren Müttern bekommen oder wurdet ihr einfach nur zu früh abgestillt??? Ist das so schwer seinem eigenen Leben ein wenig mehr Würze zu verleihen, dass man in den Leben von anderen wühlen muss? Gibt es eine Auszeichnung für das größte Arschloch im Netz und ich weiß nichts davon??? Welche Befriedigung erlangt ein geistig umnachteter Vollpfosten, wenn er unter dem Deckmantel der Anonymität Menschen beleidigt und bedroht?? Er kann sich ja nicht mal damit brüsten!? Es muss an ihrem ungezügelte Mitteilungsbedürfnis liegen, denn anders kann ich mir das nicht erklären. Wenn einem schon im realen Leben keiner zuhört, so mach ich das über ein Medium, wo mir die Menschen zuhören müssen! Euch gehört das Internet auf Lebenszeit entzogen ihr Lappen! Ich hoffe inständig, ihr vermehrt euch nicht unkontrolliert, denn für mich seit ihr lediglich Samenverschwendung!

So, da hatte sich anscheinen ein wenig was angestaut…

Jetzt geht es mir besser und wie immer sollte mein Blog mit einem Zitat enden, den ich heute aus voller Überzeugung in diese beschissene Welt hinaus blase…

FUCK U ALL (Autor unbekannt aber ich mag ihn!)

Peace,

euer Senay

Hass oder Hoffnung? Entscheide dich!

Seit Tagen habe ich das Bedürfnis wieder was zu schreiben und immer wenn ich mir meinen Rechner zur Hand nehme, bin ich wie blockiert und könnte vor Verzweiflung explodieren. Dabei gibt es zur Zeit so viele Dinge die mich beschäftigen und die es mir unmöglich machen, mein Leben in gewohnter Weise fortzuführen. Was tut man also, wenn man so viel zu sagen hat, es aber nicht zu Papier oder Gehör bringen kann? Ich habe mich dazu entschieden genau jetzt in diesem Moment alles aufzuschreiben was mir durch den Kopf geht. Ich bin in erster Linie schockiert und auch ein wenig persönlich beleidigt in welcher Art und Weise die heutigen Menschen miteinander umzugehen pflegen. Wie kann ein Mensch, der mich noch nie in meinem Leben persönlich kennen gelernt hat, solch abgrundtiefen Hassen meiner Person gegenüber empfinden? Andererseits gibt es ja auch Menschen die mich und die Dinge die ich tue gut finden, obwohl sie genau wie ihre negativen Gegenexemplare auch, mich niemals von Angesicht zu Angesicht getroffen haben. Mit wachsender Öffentlichkeit mehren sich auch die kritischen Stimmen und diese gehen weit über die übliche Kritik hinaus. Auf einmal wollen sich meine männlichen Geschlechtsgenossen mit mir messen und packen ihre Teils unterentwickelten Genitalien zum Schwanzvergleich mit mir aus. Meine Männlichkeit, die natürlich nur durch ein persönliches Treffen und eine darauf folgende Prügelei unter beweis gestellt werden kann, wird in Frage gestellt. Hauptschulabgänger provozieren Verbalgefechte auf meiner Pinnwand und werden meinen Freunden gegenüber beleidigend weil sie, zu beschränkt in ihrer Wahrnehmung, nicht in der Lage sind einen Dialog zu führen der auch Sinn macht. Ich habe so oft versucht zu betonen, dass ich die Menschen gerne überzeugen möchte und nicht bekämpfen aber viele sehen darin keinen Unterschied und so geben sie dir die Hand während sie hinter ihrem Rücken schon mit dem Finger am Abzug spielen. Ich weiß, ich polarisiere und ich weiß, ich provoziere. Ich werde aber niemals persönlich, solange ich nicht selbst in meiner Person angegriffen werde. Nichtsdestotrotz demontiere ich Blender, Hater, gefakte Intellektuelle, Rassisten, Fundamentalisten, Schwätzer, Proleten und all die anderen getürkten Randexistenzen mit Profilneurose zu gerne auf meiner Pinnwand verbal. Jeder der seine Meinung in der Öffentlichkeit kund tut, sollte auch gezwungen werden sein wahres Gesicht zu zeigen. Bei den meisten langen zwei gut gesetzte Kommentare um ihren dunklen Charakter hinter der blinkenden Facebook-Reklame-Tafel zum Vorschein zu bringen. Andere wiederum sind gut. Sehr gut sogar. So gut, dass sie sich ihres Könnens bewusst sind und täglich tausende von ihren FB-Jüngern manipulieren. Wenn ich die letzten Jahre tatsächlich etwas hassen gelernt habe, dann sind das Menschen die ihrer Umwelt nichts Positives mehr entgegen zu bringen haben. Auch ich bin innerlich jeden Tag aufs neue zerrissen, wenn ich die Nachrichten sehe, die Artikel über Krieg, Mord und Vergewaltigung lese oder in Berlin wieder mal ein Kind und ihre Mutter einem „Ehren“Mord zum Opfer gefallen sind. Ehre und Stolz sind sowieso Begriffe die in den letzten Jahren von uns förmlich trocken gefistet wurden aber das soll heute nicht mein Thema sein. Was ich zu vermitteln versuche ist, dass wir der letzte Schutzwall für unsere Kinder sind, die sie noch Menschlichkeit und Mitgefühl lehren können, anstatt Profitgier und Ruhm als oberste Maxime unserer Gesellschaft zu glorifizieren. Höflichkeit statt Egoismus. Helfen anstatt Abzocken! Auch ich würde mich gerne auf den Schwarzmarkt begeben und Ausschau nach waffenfähigen Plutonium halten um das ISIS-Problem zu beseitigen aber das wäre nicht die Lösung. Wir werden untergehen und das ist sicher! Solange Vergeltung und nicht Vergebung unser Verhalten bestimmt, solange werden wir uns weiterhin für weit weniger als für ein Stück Land, Öl oder Ruhm gegenseitig die Kehlen aufschlitzen.

Können wir nicht einfach lieb zueinander sein???  Ab und an ist eine pädagogische Schelle von Nöten und unabdingbar  aber die Art und die Qualität der Gewalttaten steht einfach in keiner Relation mehr zu unserer Menschlichkeit und unserem Mitgefühl. Ich habe keine Partei, keinen Fernsehsender oder eine auflagenstarke Zeitung um die Menschen zu beeinflussen aber ich kann die Menschen in meinem Umfeld zu Denkanstößen anregen und versuchen sie zu inspirieren. Und ihr könnt das auch! Wenn jeder meiner Freunde nur zwei seiner Freunde zu einem besseren Verhalten motivieren könnte, würde eine Welle der Höflichkeit und Hilfsbereitschaft durch dieses Land rollen und ich weigere mich vehement zu akzeptieren, dass diese Welt nur noch kalt und böse sein soll, denn das Gegenteil beweisen mir meine Herzmenschen jeden Tag aufs Neue. Dafür danke ich euch von ganzem Herzen!

Heute mache ich es kurz und schmerzlos und beende meinen Blog genau so abrupt, wie ich ihn auch begonnen habe mit den Worten von John Niven:

SEID LIEB!!!

 

Peace,

Euer Senay

Meine Trauer ist mein Antrieb

Picture © Linus Ma / www.linus-ma.com

Picture © Linus Ma / http://www.linus-ma.com

 

Wieder einmal liegen Tage völliger Ausgelassenheit hinter mir. Tage voller Spaß, Liebe und wundervoller Menschen die Teil meiner Familie sind oder einfach nur eine Zeit lang mein Leben mit mir teilen. Im Grunde genommen habe ich ein unglaubliches Leben und sollte jeden Tag dankbar für jeden weiteren sein. Bin ich aber nicht! Ganz im Gegenteil! Sobald ich die Räume meiner Wohnung betrete und ich mir meiner eigentlichen Einsamkeit bewusst werde, verfalle ich in tiefste Depressionen.

Die Depression ist eine psychische Störung mit Zuständen psychischer Niedergeschlagenheit als Leitsymptom, so heißt es zumindest nach wissenschaftlichen Erkenntnissen. Ich selbst würde es nicht als Störung bezeichnen!! Es ist eine Emotion wie jede andere auch und resultiert wie sie natürlich auch aus Begebenheiten unseres Lebens. Wie würdet ihr den Unterschied zwischen Melancholie und Trauer beschreiben, wenn es die Wörter „Gut“ oder „Schlecht“ nicht geben würde? Melancholie war für mich schon immer die Kunst glücklich trauern zu können. Sie ist wie die gut aussehende, erwachsenen Schwester ihres unkontrollierten und skrupellosen Bruders, der Trauer. Die Trauer überkommt dich ohne Vorwarnung und Erbarmen. Sie zwingt dich zu leiden und nicht zu wissen, wie man das Leiden beenden kann und ob es überhaupt jemals enden wird. Nie zuvor hat ein anderer Mensch so gelitten und so viel Schmerz ertragen müssen, wie man gerade selbst durchlebt. Trauer macht einen egoistisch, unfair und blind für alles andere. Man will einfach leiden!

Ich persönlich mag diese Art des Leides nicht besonders! Ich bin Krebs. Menschen wie ich leben jede Emotion vollends aus, weil wir nicht Herr ihrer werden. Wenn wir lieben, lieben wir aus tiefstem Herzen und wenn wir Hassen, dann ohne Hoffnung auf Vergebung. Unser Lachen ist ehrlich und unsere Tränen könnten echter nicht sein. Wir sind wie die Sklaven unserer eigenen Empfindungen und können oft gar nicht genau definieren, warum wir in bestimmten Momenten so fühlen, wie wir fühlen. Wir tun es einfach. Ich hatte heute eine zuerst zufällige Begegnung mit einem Menschen, den ich zuvor noch nie in meinem Leben gesehen hatte und wenige Stunden später lernten wir uns durch einen absichtlichen Zufall kennen. Nach einem kurzem aber trotzdem sehr intensivem Austausch, fiel ein für mich sehr wichtiger Satz. „Depressive Tage sind mega-produktiv!“ Das mag durchaus stimmen aber nur, wenn man sie zu zelebrieren weiß…

Es ist unglaublich, was für eine Kraft sich auch aus einer Depression heraus entwickeln kann, wenn man sie nur in die richtigen Bahnen lenkt. In meinen dunkelsten Momenten habe ich meine schönsten Texte geschrieben. Je schlechter es meinem Herzen geht, umso intensiver und emotionaler werden meine Mixe. Meine Produktivität steigt proportional zu meinem Wunsch mich und meine Welt in den Abgrund zu stürzen. Was wie die Muse meiner Kreativität ist, ist gleichzeitig wie ein Krebsgeschwür in meinem Gemüt. Ihr seht also, ich kann ohne sie gar nicht mehr. Und selbst wenn man mich „heilen“ könnte, würde ich das überhaupt wollen? Meine Trauer ist mein Antrieb! Würde man mir sie nehmen, so würde man mich einer meiner intensivsten Gefühle berauben und ich könnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, nur noch Glücklich zu sein. Mal abgesehen davon, dass ich wahrscheinlich gar nicht mehr in der Lage wäre zu sagen was Glück überhaupt ist. Ich könnte keine Frau wirklich lieben die bei mir wäre, wenn ich nicht auch gleichzeitig wüsste, wie traurig es ist, sie zu vermissen wenn sie nicht da ist. Ich könnte die Wärme und das Licht der Sonne im Sommer nicht genießen und herbeisehnen, wenn ich die Kälte und Dunkelheit im Winter nicht kennen würde. Also anstatt mir meine Emotionen zum Feind zu machen und sie zu bekämpfen, Rauchen wir lieber gemeinsam ne Friedenspfeife und schauen welch wunderschöne Pflanze wir auf diesem großen Haufen Mist pflanzen können.

Ich schreibe gerne wenn ich traurig bin und zu wissen das es Leute gibt, die das auch tatsächlich lesen, gibt meiner Depression wiederum ihre Daseinsberechtigung.

Ich schreibe, also bin ich. Ich werde gelesen, also bin ich nicht allein. (Kurt Marti)

Peace,
Euer Senay