ALS – Oder wie eine Krankheit die zivilisierte Welt spaltet!

Stephen Hawkin

In den letzten Wochen konnten wir alle ein Massenphänomen beobachten, was durch Facebook und Youtube innerhalb kürzester Zeit die Online-Community auf die eine oder andere Art wahnsinnig gemacht hat. Die ALS-IceBukcketChallenge!
 
Ich selbst stand dem ganzen von Anfang an ein wenig skeptisch gegenüber, beteiligte mich aber trotzdem aus Solidarität und Gruppenzwang an der Aktion. Zuerst fand ich die Aktion lustig, verstand aber nicht wirklich, warum Menschen anfingen, sich wie verrückt Eiswasser über die Köpfe zu schütten. Nach einer kurzen Recherche verstand ich auch den Hintergrund dieser Challenge und fand es eigentlich eine lustige Idee, um auf eine Krankheit hinzuweisen, die bis Dato kein Mensch kannte. Dass alleine in Deutschland lediglich nur ca. 8.000 Leute davon betroffen sind, macht die Erforschung dieser tückischen Krankheit auch nicht gerade einfacher. Da es keinen Markt für ein Medikament gibt, dass von so wenig Menschen benötigt wird, interessiert die Entwicklung eines Heilmittels natürlich auch keinen Pharmakonzern wirklich ernsthaft! Gerade mit diesem Hintergrund, finde ich die angesammelte Menge an Geld auch großartig und hoffe, dass es für die nächsten Jahre die Entwicklungskosten deckt und sie eventuell auch ohne Tierversuche auskommen. Ups!!! Tierversuche??? Das wusste auch keiner der tausenden von Menschen, die diese witzige Aktion voller Euphorie und Tatendrang in die Welt getragen hatten. Ferner ist das ein Unterschied, ob einige hundert Menschen sich einen Eimer Wasser über den Kopf schütten oder gleich einige Millionen und das in einer Zeit, wo einige Firmen, wie Nestlé, versuchen unsere Wasservorräte zu privatisieren. Wenn man mal in Ruhe darüber nachdenkt, klingt das schon ein wenig merkwürdig – oder empfinde ich das nur so? Wie dem auch sei, wurden die wenigen Kritiker dieser Challenge in öffentlichen Blogs und Postings förmlich gesteinigt. Sie seien Spielverderber und hätten im Allgemeinen immer und an allem was auszusetzen und seien einfach nur verbitterte Pessimisten, die keinen Sinn für die Gesellschaft haben. Nun, da die ganze Welt sich beeist und aus einer anfänglich wundervollen Idee, die aus Freundschaft und Hilfsbereitschaft geboren wurde, ist letztendlich ein marketingträchtiger Selbstdarstellerzirkus geworden, wo wir nicht mehr unterscheiden können, ob es die Menschen aus Mitgefühl tun oder aber einfach nur wegen den 5 Minuten Ruhm auf der internationalen FB-Bühne. Ehrlich gesagt interessiert mich das gar nicht. Alleine der Gedanke, dass wir in der Lage sind, so viele Menschen mit einer Idee zu infizieren und damit ein Gemeinschaftsgefühl aufzubauen, gibt mir Hoffnung und ich gebe die Menschheit noch nicht komplett auf. Erstaunlich finde ich aber die Entwicklung, die nun gerade im Gange ist. Waren die Reaktionen am Anfang der Challenge noch durchweg positiv, mehren sich nun die kritischen Stimmen und es ist auf einmal hip das ganze einfach nur saudoof zu finden und alle, die mitmachen haben sowieso keine Ahnung, was so in der Welt los ist. Verdurstende Kinder in Afrika, Bomben im Gaza, Krieg in der Ukraine – und wir schütten uns fröhlich Eimer mit Eiswasser über die Köpfe.
Ich verstehe uns Menschen einfach nicht mehr! Müssen wir immer dafür oder dagegen sein? Kann man nicht eine Aktion kritisch beurteilen, aber sie trotzdem unterstützen oder zumindest respektieren? Wirklich geschadet hat diese Challenge doch niemanden. Die penetrant und in unzähligen Mengen geposteten Videos nerven mich auch, aber die Videos und Fotos der Gegner, die nun auf uns einprasseln, tun das auch! Ich verstehe auch, dass es viele ärgert, dass eine Sache wie die IceBucketChallenge Medial mehr Aufmerksamkeit bekommt, als sämtliche Nachrichten aus allen Krisengebieten der Welt, aber das ist nun mal Marketing. Man kann nicht jeden Tag Fotos von toten Kindern im Gaza posten und sich wundern, warum keiner hilft. Keiner sieht gerne solche Bilder auf seiner Pinnwand, obwohl ein jeder von uns weiß, was gerade in der Welt passiert – also blendet man es aus. Hätte man mit so einer Challenge vielleicht mehr Aufmerksamkeit erzielen können, um damit Frieden in die Ukraine oder in den Gaza zu bringen? Abwegiger Gedanke? Finde ich nicht! Es kam nur noch niemand auf die Idee, etwas lustiges zu diesem Thema zu machen, weil es unser Moralempfinden nicht zulassen würde. Bei Wasserverschwendung sehen wir das nicht so eng. Da fehlen die toten Kinder halt…
 
Stephen Hawkin, prominentestes Opfer dieser Krankheit, hat mal gesagt: “ Wie kann sich die menschliche Rasse in einer Welt, die sich politisch, sozial und in Umweltfragen im Chaos befindet, weitere hundert Jahre halten?“
 
Ich sag’s euch! In dem wir leben und leben lassen!

Peace,

euer Senay

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Ein Gedanke zu “ALS – Oder wie eine Krankheit die zivilisierte Welt spaltet!

  1. Pingback: Pros und Contras von Eiswasser Challenges | Wortadel

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